Marcel Plözl berichtete bei der ersten Fuckup Night Chemnitz über sein Scheitern mit den Frühstückszwergen.

Die Kunst des Scheiterns – FuckUp Night Chemnitz

Am Mittwochabend veranstaltete das Team um Benjamin Brunner die erste FuckUp Night in Chemnitz. Dort präsentierten Marcel Pölzl, John Christian Tuschy und Tim Brettschneider jeweils in gut gemeinten 10 Minuten ihren persönlichen Werdegang. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Chemnitzer Band „Bears n Hats„. Diese Anreize füllten das Weltecho bis auf den letzten Platz. Doch was ist eine FuckUp Night eigentlich?

Die FuckUp Nights

Die FuckUp Nights sind eine globale Bewegung, die 2012 in Mexiko geboren wurde. Einmal im Monat berichten drei bis vier Redner in Vorträgen á 7-15 Minuten über ihre persönlichen wie beruflichen Rückschläge und ihren Umgang damit. FuckUp Nights haben die Zielsetzung, das Thema Scheitern salonfähiger zu machen und die Zuhörer zu animieren, auch mal etwas Riskantes zu wagen. Der FuckUp an sich beschreibt nicht nur das Scheitern, sondern sollte auch immer in Verbindung mit dem darauffolgenden Wiederaufstehen gesehen werden. Denn genau das macht die Geschichten an so einem Abend so spannend.

Dazu kommt, dass ein FuckUp unterschiedliche Formen annehmen kann. Beim persönlichen FuckUp geht es um Schulabbruch, Studium schmeißen, Freundin weg und/oder was einem sonst noch auf dieser Ebene widerfahren kann. Dagegen ist der unternehmerische FuckUp genau der, der gesellschaftlich am ehesten wahrgenommen wird. Das kann sein, dass die eigene Firma pleite ist, oder dass der Geschäftspartner einen betrogen hat. Zuletzt kommt der körperliche FuckUp. Dieser kann die unterschiedlichsten Ausmaße annehmen, vom Alkoholproblem bis hin zum Herzinfarkt. Häufig treten diese Formen auch kombiniert auf, quasi ein Super-FuckUp.

Eine Lehre für das Publikum

Nach der Eröffnung durch Bears n Hats und die Begrüßung durch Benjamin wurden die Speaker des Abends in einem extra produzierten Einspieler präsentiert – auf feinstem Sächsisch. Den Auftakt machte anschließend Marcel Pölzl: Aus Hartz IV heraus gründete er 2008 die „Frühstückszwerge„, die nach schweren ersten Monaten und TV-Berichten über „den Mann mit Zipfelmütze und Bollerwagen an der Kreuzung“ zum beachtlichen Franchise-Unternehmen und größten Frühstücksservice Deutschlands heranwuchs. Doch die Trennung von seiner damaligen Freundin und Geschäftspartnerin 2012 brachte ihn nicht nur in die Privatinsolvenz, sondern sogar vier Tage ins Gefängnis. Nur mit viel Kraft konnte er sich wieder raus arbeiten, heute läuft sein Unternehmen besser denn je.

Zweiter Redner war John Christian Tuschy, der trotz erstem Schulabbruch und verzweifelter Arbeitssuche nach der Ausbildung heute erfolgreich sein eigenes Bestattungsunternehmen leitet. Auch Tim Brettschneider aus Jena, dritter Gast des Abends, berichtete über die Verführungen der Selbständigkeit und wie Gier und Misstrauen das Cashback-Portal, an dem er beteiligt war, und ihn selbst in den Ruin trieben.

Schon die Toten Hosen sangen: „Steh auf, wenn du am Boden bist“. Das war für die meisten Zuhörer vielleicht die wichtigste Erkenntnis des Abends. Scheitern hat auch immer etwas mit der Persönlichkeit zu tun: Die Person, die sich immer in der eigenen Komfortzone bewegt, die wird so schnell kein FuckUp erleben. Aber diejenigen, die etwas riskieren, können nun mal auch scheitern.

FuckUp Night für Chemnitz

Die FuckUp Nights bringen eine wichtige Botschaft nach Chemnitz, denn auch hier wächst die Startup-Szene und trotzdem ist das Scheitern noch ein gesellschaftliches Tabuthema. Mit dem Event stoßen Benjamin und sein Team vielleicht an ein paar Ecken, aber die Anzahl der Zuhörern hat gezeigt, dass sie einen Nerv getroffen haben. Es bleibt abzuwarten, ob das nur die erste Neugier war. Wir wünschen den FuckUp Nights Chemnitz an dieser Stelle schon mal viel Erfolg für das kommende Event am 29. Juni. Vielleicht steht ja dann auch eine Frau auf der Bühne, die über ihren FuckUp berichtet.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*